Fotografie,  Tutorial

Schauspieler Fotograf: Worauf es ankommt

Gerade für Schauspieler*Innen ist eine ansprechende Präsentation der Schlüssel für die Einladung zum Vorsprechen.
Noch bevor überhaupt das Showreel angeklickt wird, entscheiden mögliche Interessenten bereits beim Betrachten des Portraits (Headshot), ob der Darsteller für die Rolle infrage kommt oder nicht. Für einen Schauspieler Fotograf bieten Schauspielerportraits eine willkommene Abwechslung und ein lukratives Nebeneinkommen.

Damit Darsteller wissen, auf was es bei der Wahl des Fotografen ankommt aber auch Fotografen einschätzen können, ob sie Schauspielerportraits schießen können; hier ein kleiner Guide basierend auf meinen Erfahrungen und Recherchen.

Business gegen Schauspieler Fotograf: Klare Message vs. Emotionen

Der in die Zukunft blickende Sportmanager, das freundliche Tattoo-Studio oder die sympathische Musikerin mit ihrer Ukulele. Eine klare Message ist im Business König.

Wenn es um Business Headshots geht, ist die Intention klar: Man möchte eindeutige Emotionen wie Selbstbewusstsein, Kompetenz oder Verlässlichkeit vermitteln. Dabei ist die Wahl der Kleidung, des Hintergrunds und Stimmung durch Beleuchtung auf den jeweiligen Beruf angepasst: Bei einem Arzt einen Kittel, die weiße Praxis unscharf aber erkennbar im Hintergrund. Bei einem Anwalt bietet sich der Bücherschrank hinter dem Motiv und der Rechtsexperte freundlich thronend auf seinem Schreibtisch an.

Beim Schauspieler Fotograf schaut die Sache allerdings ganz anders aus. Weder spielt der Hintergrund eine entscheidende Rolle noch geht es darum, eine klare Botschaft, wie Professionalität oder Sicherheit, zu vermitteln. Vielmehr geht es darum, die Authentizität des Schauspielers zu zeigen – deutlich zu unterstreichen, in welchem Bereich der Schauspieler mit seiner vollen Bandbreite strahlen kann.

Dafür ist es auch selten von Vorteil das Gesicht komplett auszuleuchten – Vielmehr sollte entweder mit natürlichem Licht oder im Studio mit einem gut ausgeleuchteten Gesicht ohne übertrieben dramatische Schattensetzung gearbeitet werden. Weder sollte der Hintergrund auffallende Assoziationen kreieren, noch sollten Elemente von dem Schauspielerportrait ablenken (wie zum Beispiel ein Weihnachtsbaum, eine Harley-Davidson oder ein Trampolin vor einem Ein-Familienhaus).

Ein klarer Fokus auf die Person und unterschiedliche Emotionen zeichnen einen guten Schauspieler Fotografen aus (Vor der Kamera das Model & Schauspielerin Julia).

Basis: Haltung, Styling und Kleidung

Für jeden Darsteller entscheidend ist die Palette an Gefühlen, die sie vermitteln können. Deswegen rentiert es sich, bereits vor dem Portraitshooting zu wissen und vor allem zu üben, welche Emotionen man auf den Bildern ablichten möchte oder noch einen Schritt weiter gedacht, welche Rollen man mit den Bildern ansprechen will.

Generell gilt, wie bei allen Portraits, Haltung bewahren. Also einatmen, gerader Rücken. Außerdem, das Kinn leicht nach vorne verlagert, um ein Doppelkinn zu vermeiden (man kann sich vorzustellen, man hätte eine Orange zwischen Hals und Kinn eingeklemmt). Die übliche Regel „nicht die Körpermitte direkt Richtung Kamera positionieren“ kann variieren, da manche Agenturen die Frontale bevorzugen.

Entspannte Schultern und Hände, auch wenn sie nicht im Schauspielerportrait zu sehen sind, helfen beim natürlichen Gesichtsausdruck. Für Portraits mit Händen am Gesicht oder Kopf empfiehlt es sich zudem von vornherein Posen vor dem Spiegel zu üben und zu entscheiden, welche einem selbst am ehesten zusagen.

Gleichzeitig obliegt es dem Fotografen ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche Haltungen und Gesichtszüge gut zu den Charakter passen, sich natürlich anfühlen und dementsprechend anzuleiten. Aber Achtung: Der Fotograf sollte nicht so weit gehen, dem Schauspieler eine Rolle, die er sich ausmalt, aufzuzwingen.

Zu starkes Make-Up ist keine gute Empfehlung, obwohl es von amerikanischen Schauspieler Fotograf gerne benutzt wird. Besser ein dezentes Make-Up, um das Gesicht nicht zu verfremden. Für potenzielle Auftraggeber ist es fatal, wenn der Darsteller nicht so aussieht wie online präsentiert. Für Fotografen empfiehlt es sich dezentes Puder mitzubringen, um gegen glänzende Stellen auf der Haut gewappnet zu sein.

Zwecks Kleidung empfehlen sich generell dezente Farben, bzw. schwarz oder weiß, da es schlicht und neutral ist. Allerdings gilt es von Fotografenseite zu beachten: Weiß kann die Haut blasser wirken lassen als sie tatsächlich ist und dunkel schluckt viel Licht, birgt das Risiko im Hintergrund „abzusaufen“, das gilt es mit entweder warmen Licht oder einem hellen Hintergrund aufzufangen. Zu intensive und verspielte Muster an der Kleidung ist ein No-Go, da sie von dem Gesicht (dem Moneymaker in diesem Fall ;) ablenken können – selbiges gilt auch bei Kleidung die zu viel Haut zeigt.

Technik: Objektiv und Crop-Faktor

Für den Schauspieler Fotograf liegt der Fokus klar im Gesicht, denn dort findet die Emotion statt und deswegen muss es einen engen Bildausschnitt geben. Der Crop-Faktor Standard für den US und UK-Markt ist 8 x 10. Außerdem sollte man sowohl horizontale als auch vertikale Bilder liefern, denn während Internetportale vertikale Aufnahmen verlangen, bevorzugen Agenturen häufig horizontale Schauspielerportraits für einen modernen Vollbild Look auf der Website.

Bei einem urbanen Hintergrund liegt eine hohe Festbrennweite (z.B. 85mm) gut auf der Hand, um das Motiv von dem Hintergrund hervorzuheben. Im Studio ist die Festbrennweite nicht so wichtig, da man mit einem einfarbigen Hintergrund und Lichtsetzung das Motiv nicht in der Umgebung verliert aber gerade außerhalb der Sicherheit des Studios, ist eine ordentliche Tiefenunschärfe zur Isolation unabdingbar.

Hier ein Beispiel zwischen einem Headshot mit 35mm Objektiv geschossen und einem mit 85mm.

Die Mischung machts: Während bei 35mm die Gebäude im Hintergrund zum Storytelling beitragen, steht bei 85mm das Motiv komplett im Fokus.

Bearbeitung: Weniger ist mehr

Beim Bearbeiten ist penibel darauf zu achten, dass die Haut-, Augen- und Haarfarbe nicht verändert wird. Pigmentierungen im Gesicht oder gar Narben, die jeder Highfashion-Fotograf glatt bügeln würde, dürfen natürlich nicht entfernt werden – Pickel oder andere temporäre Hautunreinheiten hingegen schon („Alles was in zwei Wochen noch da ist, bleibt auch auf dem Foto“ Kommentar Leon Actors). Vorsicht auch beim Anpassen von Konturen, Texturen oder Klarheit, dass man die Konturen nicht verfälscht (Authentizität > Retusche).

Wenn es darum geht die Farben, Kontraste oder ähnliches zu verändern – ohne dabei Haut- oder Haartöne zu verfälschen, kann man in Lightroom das vorher und nachher Bild nebeneinandersetzen und Feinheiten in der Farbkalibrierung justieren. Damit lässt sich im übrigen auch ein beständiges Farbschema in verschiedenen Locations schaffen: Was gerade für Agenturen, die ein beständiges Farblayout bevorzugen, spannend ist.

Last but definitely not least: Sei du selbst

Gerade Neueinsteiger, sollten sich eine zentrale Frage stellen: Welche Rolle passt zu mir?

Und das ist nicht zu unterschätzen, denn häufig bestimmen die ersten Momente auf der Leinwand, für welche Folgerollen man in Erwägung gezogen wird, denn Regisseure haben eine feste Vorstellung von den Charakteren, welchen sie besetzen möchten: Sei es der verträumte, nerdige Teenager, die warmherzige Nachbarin oder der skrupellose Businesshai.

Diese Persona sollte der Schauspieler leicht verkörpern können, es sollte ihm liegen und Spaß machen: Denn eventuell wird er diesen Schuh seine Karriere lang tragen.

Damit muss ein Schauspieler Fotograf erheblich mehr mit seinen Portraits ausdrücken können als nur das Aussehen seines Motives:

  • Die ungefähre Altersklasse
  • Klassenzugehörigkeit (z.B. Arbeiterklasse, Mittelstand, Wohlstand)
  • Die Attraktivität
  • Soziologischer Hintergrund (z.B. Akademiker, Mutter, Schülerin)
  • Persönlichkeitsmerkmale (z.B. herzig, grummelig, verträumt, streng)

Wenn ein potenzieller Kunde den Schauspieler anhand seines Headshots auf einem Get-Together oder einer Veranstaltung nicht sofort zuordnen kann, funktioniert der Headshot nicht. Und diese Aspekte lassen sich meiner Erfahrung nach leichter mit einer bewusst gewählten Umgebung betonen.

Meinung: Ein Schauspieler Fotograf gehört nicht ins Studio

Studiobilder haben den Vorteil, dass sie in ein und derselben Umgebung aufgenommen werden und hochwertige Ergebnisse liefern. Jeden Schauspieler mit einem schwarzen Hintergrund fotografiert zu haben, hilft dabei, ein beständiges Layout z.B. auf der Seite der Agentur zu schaffen…

Aber ist das wirklich so? Denn ab dem Zeitpunkt, wo der Fotograf sich entscheidet, das Gesicht des Darstellers nach seinem Geschmack auszuleuchten, riskiert er eine Verfremdung der Konturen. Zudem neigen Fotografen gerne dazu, ein spezielles Lichtsetup, welches für sie gut funktioniert und Erfolgs-geprüft ist, in Shootingssituationen zu wiederholen: Und das kann das Alleinstellungsmerkmal eines Schauspielers zerstören.

Außerdem ist es durchaus möglich auch solche Bilder die an unterschiedlichen Orten und Tageszeiten geschossen wurden, durch Bearbeitung einen beständigen Look zu verleihen. Professionelle Business-Fotografen wissen, wovon ich rede. Damit kann man den Vorteil eines schlichten Studiohintergrundes auch auf abwechslungsreiche, urbane Hintergründe übertragen, welche einen entscheidenden Vorteil liefern:

Nicht nur können sich potenzielle Produktionen den jeweiligen Akteur leichter in einer Szene vorstellen. Sondern es lassen sich Emotionen, die der Headshot vermitteln soll, mit der Wahl des urbanen Hintergrundes verstärken. Bspw. der ernste Blick an einer Zigarette ziehend mit einer unscharfen Hafenkulisse, oder ein liebevolles Lächeln mit einer belebten, lichten Straße im Hintergrund: Alles zusätzliche Mittel und Wege um Kopfkino bei zukünftigen Auftraggebern hervorzurufen.

Finally: Das Beste aus der Zeit herausholen

Ein wenig Storytelling mit der Umgebung zu schaffen ist nur zufriedenstellend im Endergebnis, solange man eines nicht vergisst, und das ist dem Schauspieler die Chance zu geben sein komplettes Repertoire zu präsentieren. Wenn man am Ende eines Shootings zig überzeugende Bilder von einer Szene, einer Stimmung und einer Emotion des Porträtierten entstanden sind, tut man der Vielfalt der Charaktere des Darstellers unrecht.

Deswegen muss ein Fotograf, der sich entscheidet Actor Headshots außerhalb des Studios zu schießen, einen gut getakteten Plan, der verschiedene Locations und Stimmungen, gegeben Falls sogar Zeit für Outfitwechsel, parat haben. Ist die Zeit hingegen knapp, gilt es eine Location zu finden, die vielseitig genug ist, dass sie verschiedene Stimmungen und Emotionen unterstreichen kann. Also gilt gerade für diese Art von Headshots; gute Planung und Kommunikation vor dem Shooting sind unabdingbar.

Verschiedene Locations, Stimmungen und Festbrennweiten, die Maxvorstadt als Studio. Im Bild Julia.

Aber was ist eure Meinung dazu? Stimmt ihr mir bei der Wahl der Brennweite zu, meint ihr, dass ein guter Headshot einen simplen Studiohintergrund braucht, um den Schauspieler komplett ins Rampenlicht zu rücken? Hat euch dieser Artikel für eure Fotografie weitergeholfen? Ich freue mich sehr über unterschiedliche Inspirationen, Anregungen und Aha-Momente meinerseits.

P.s.: Bevor man sich als Schauspieler Fotograf übt, lohnt es sich sein Handwerk zu schärfen und das geht am besten im soggenannten TfP, was es hierbei zu beachten gibt, erfahrt ihr hier.

Erwähnungen:

Herzlichen Dank an Leon Actors für schnelles und konstruktives Feedback.

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