Bild für einen Blogartikel zum Thema Bildkomposition, manueller Modus und das framing eines Fotos.
Fotografie,  Tutorial

Bildkomposition & manueller Modus

Vor kurzem schrieb mir einer meiner ältesten Freunde und liebsten Feedbackquellen bezüglich Bildkomposition und manuellen Modus, zack hatte ich eine Beitragsidee. Ihn würde es wahnsinnig interessieren wie ich an ein Bild herangehe und welche Gedanken ich mir mache, bevor ich den Auslöser drücke. Mein erster Impuls war natürlich „gar keine„? Bzw. ich arbeite da eher spontanen intuitiven Ebene.

Trotzdem ging mir das noch beim nächsten Shooting durch den Kopf und während ich die Bilder machte, achtete ich mal ein wenig darauf, warum ich sie so mache, wie ich sie mache. Und voilà, es gibt tatsächlich Gedanken hinter einem Bild, sogar ziemliche viele. Genau darum soll es in diesem Beitrag gehen und wir fangen an mit der:

Bildkomposition

Als Fallbeispiel: Tiefgarage

Also eine Tiefgarage ist ziemlich sicher kein Alltagsbeispiel für die meisten Fotografen aber sie ist trotzdem eine spannende Herausforderung für Portraitfotos. Außerdem haben Tiefgaragen oder ihre überirdischen Verwandten eine tolle Atmosphäre (solang man aufpasst; im Ernst, ich wäre fast von einer Autoschranke erschlagen worden).

Aber warum Tiefgaragen/Parkhäuser?
Erstmal haben die beiden große, weite Räume mit Linien in einer schönen Symmetrie (Yaaay) und das passt einfach super zur Portraitfotografie und schafft viele Gelegenheiten sich über Bildkomposition Gedanken zu machen! Zudem haben zumindest Parkhäuser besonders in der Abendsonne gerne richtig Charme und Tiefgaragen einen richtig atmosphärischen Flair (und zwar um jede Tageszeit).

Technische Daten
Canon RP
35mm
f1.8
1/125
350 ISO

Was die einzelnen Bilddaten bedeuten darauf kommen wir später zu sprechen.
Im Bild das Model annaflhlm.

Als Anna und ich uns bereits drei Stockwerke tief in die Garage eingeschossen hatten erreichten wir eine Ebene, die nicht nur komplett autofrei war, sondern auch noch einen Wasserspiegel geboten hat.
Wenn ich solche Spots sehe, ist es häufig ein Trial-and-Error Vorgang: Denn ich weiß, dass man ein fantastisches Foto machen kann, aber muss noch den richtigen Winkel, Perspektive, Pose, Objektiv herausfinden. Mach ich auch irgendwann aber ich hab selten schon ein direktes Bild im Auge. Bei dem Foto hat das funktioniert, aber warum funktioniert dieses Bild?

Leitlinien: Führe das Auge

Bild für einen Blogartikel zum Thema Bildkomposition, manueller Modus und das framing eines Fotos.
Leitlinien ziehen sich von Fluchtpunkt (Hintergrund) in den Vordergrund.

Sehr präsent in der Theorie der Fotografie sind Leitlinien und selbst wenn man nie etwas darüber gelesen hat, achten viele Fotografen bereits unbewusst darauf. Denn auch wenn wir es nicht erklären können, sprechen uns Fotos mit einer ansprechenden Linienführung unbewusst mehr an.

In diesem Foto befindet sich sogar ein Leitlinien-Overload, mit den Lichtern an der Decke, die sich im Wasser spiegeln, den Pfeilen auf dem Boden und der geraden von der Wandbemalung.
Und nur ums nochmal zu unterstreichen, das Bild ist nichts, das mir einfach so kommt, sondern im Prozess und Austausch mit dem Model und viel herumprobieren entsteht.

Übrigens ganz wichtig, wenn man an einer Location bei der Suche nach spannenden Bildkompositionen feststeckt, immer positiv bleiben; dem Model muss der ganze Prozess Spaß machen und das geht nicht, wenn man frustriert ist.

Symmetrie ist nicht alles

Beispielbild für einen Blogartikel zum Thema Bildkomposition, manueller Modus und das framing eines Fotos.
Leitlinien müssen nicht immer in der Umwelt gefunden werden. Manchmal reicht es auch ein Model zu haben, das einen die mühsame Aufgabe einfach abnimmt (in diesem Fall ist es
Annie).

Leitlinien müssen keinesfalls immer symmetrische Formen haben und ich bin ehrlich gesagt inzwischen der Meinung, dass wir durch Hashtags wie #symmetrykillers, #symmetryhunters oder #symmetricalmonsters inzwischen sogar der symmetrischen Portraitfotografie ein wenig überdrüssig geworden sind. Nicht zuletzt daher, dass wir einen Instagramtourismus haben, bei den sich #urbanslayers jeder epischen Linienführung bedienen, welche größere Städte zu bieten haben. Typisches Beispiel für München?

Könnte einen bekannt vorkommen; der Hofgarten in München.

Natürlich ist die Linienführung keinesfalls eine Erfindung der Fotografen und kann völlig flexibel eingesetzt werden. Besonders in der Landschaftsmalerei findet man häufig komplexere Linienführungen in der Bildkomposition. Hier ein Kunstbeispiel des Malers Claude Monet Ende des 18. Jahrhunderts.

In der Praxis:

Goldener Schnitt und die drei Bildbereiche

Bild für einen Blogartikel zum Thema Bildkomposition, manueller Modus und das framing eines Fotos.

Es gibt Bücher, die sich nur mit der Analyse des goldenen Schnittes und seiner Bedeutung für die Bildkomposition beschäftigen. Deswegen und weil ich nie eines dieser Bücher gelesen habe, möchte ich es so kurz wie möglich halten. Der goldene Schnitt in der Fotografie bedeutet im Endeffekt, dass es für das Auge angenehmer ist, wenn das Hauptmotiv nicht direkt mittig im Bild platziert ist und wir können viel über Bildkomposition davon mitnehmen. Beispiel:

Man kann natürlich auch im Nachhinein das Bild zuschneiden, damit die Bildkomposition den goldenen Schnitt entspricht.

Das ist für das Auge angenehmer als ein zentriertes Motiv, in der Theorie. In der Praxis heißt das, dass man beim Fotografieren das Foto so komponiert (schönes Wort dafür, oder?), dass es genug interessante Elemente in den zwei anderen dritteln des Bildes gibt. Was mir in diesem Fall sagen wir mal mittelmäßig gelungen ist.

Den goldenen Schnitt übrigens perfekt zu treffen schaffe ich fast nie und denke auch nicht immer beim Fotografieren dran. In diesem Fall hilft entweder Erfahrung oder eine Kamera, die eine so gute Qualität liefert, dass man es im Nachhinein richtig zuschneiden kann.

Bei diesem Zuschnitt sucht das Auge intuitiv etwas im oberen, rechten Bildbereich.

Kommen wir noch einmal zu diesem Bild und meinen oben beschriebenen Problem; dass mir in der Bildkomposition irgendwie unten links im Bild etwas fehlt. Überhaupt wirkt das Gesamtbild im Zuschnitt etwas leer für meinen Geschmack. Dafür möchte ich kurz auf etwas eingehen, was ich nur sehr selten mache.

Kleiner Exkurs: Meine Meinung zu Schwarz/Weiß

Ich könnte viel über Schwarz/Weiß diskutieren. Denn ich finde sehr viele Fotografen nutzen es, als ein reines Mittel um ein „langweiliges“ Bild irgendwie spannender zu gestalten – an irgendwelche Vogue-Cover oder Profiportraitfotografen zu erinnern, um damit professioneller zu wirken, als sie eigentlich sind. Funktionieren tut das für mich zumindest fast nie.

Tatsache ist, dass Sebastião Salgado, einer der bedeutendsten Fotografen der Welt (meine Meinung) fast ausschließlich in S/W fotografiert und ich bezweifel, dass er es irgendwie nötig hatte seine Aufnahmen durch den Effekt professioneller wirken zu lassen.

Ich benutze fast nie S/W, weil für mich Farben fast immer einen Bild etwas mehr Charakter oder Information geben als es S/W tut. Es gibt trotzdem drei Ausnahmen, bei denen ich S/W bevorzuge:

  • Zu viele Farben, Elemente oder Kontraste von einem Hauptmotiv ablenken (das Bild zu unruhig ist)
  • Das genaue Gegenteil davon: Das Bild zu ruhig ist und ich mit S/W einen Aspekt des Bildes (meistens den hellsten) mehr Bedeutung geben möchte
  • Oder ich den Betrachter auf Details aufmerksam machen möchte und will, dass er das Bild länger betrachtet; S/W Bilder betrachten wir übrigens unbewusst gerne etwas länger (Unser Hirn kann den Inhalt des Bildes mit Farbe nämlich meistens schneller verarbeiten)

Beispiele wo S/W funktioniert:

Das Bild aus derselben Szene von Anna wirkt in S/W deutlich besser, weil die Farben von der bereits schlichten Bildkomposition abgelenkt haben. Das Bild und der Fokus liegt jetzt sehr konzentriert auf ihren Ausdruck und der Bewegung. Vor allem aber springen die orangen Pfeile am Boden oder die dunkle Pfütze nicht mehr ins Auge. Stattdessen ist das Gesicht der klare Star der Aufnahme.

Bei dem Bild von Kpaou hingegen kann ich durch S/W die Aufmerksamkeit auf Ausdruck, Hautporen, Bodentexturen leiten und meinen Betrachter nicht von „lästigen“ Farben ablenken lassen. Im Gegensatz zum Bild von Anna, gab es hier zu viel im Bild zu entdecken, was vom Hauptmotiv ablenkt.

Nochmal kurz zum Ursprungsthema. Der goldene Schnitt kommt übrigens nicht aus der Fotografie, sondern genau wie die Linienführung aus der Kunst.

In den Werken von Michelangelo findet sich bis ins kleinste Detail der goldene Schnitt.

Tiefgründige Bildkompositionen: 2 wird 3D

Es ist etwas über einem Jahr her, da habe ich die Fotografin Anna-Lena Duschl auf einen Kaffee getroffen und mir von Ihr Feedback zu meinen Bildern geben lassen. „Vordergrund macht Bild gesund“ war einer dieser Aha-Sätze, von denen sie mir ein paar geliefert hat.

Ein Beispiel von der Oberfläche: Auch hier findet man wieder den goldenen Schnitt aber auch eine andere Technik.

Das heißt jetzt nicht zwangsweise, dass man auf Teufel komm raus irgendwas im Vordergrund platzieren muss. Tatsache ist jedoch, wenn unser Auge einen Vorder- und Hintergrund wahrnimmt, gewinnt das Bild unweigerlich an Tiefe und wirkt damit „echter“ bzw. „greifbarer„, weil es unserem Auge ein räumliches Verständnis liefert.

Framing, oder richtig einrahmen

Framing ist leicht erklärt, da man es sich sehr gut bildlich vorstellen kann. Denn simpel gesagt, geht es darum einen Rahmen um sein Motiv zu setzen. Das ist nicht nur angenehmer für das Auge, sondern kann genau wie Linienführung oder der goldene Schnitt den Betrachter helfen zu erkennen, um was oder wen es im Bild geht.

Ein Rahmen muss dabei keinesfalls viereckig sein. Er kann auch eine Reflexion in einem Autospiegel, ein Gesicht umrankt von einem Busch oder eben allen möglichen Sachen sein, die man um sein Model oder Eyecatcher herum hat. Auch müssen die Elemente nicht unbedingt auf einer Ebene sein. Es lassen sich auch Details in Vorder- oder Hintergrund nutzen, um ein Motiv gelungen einzurahmen. Hier ein Beispiel von den Fotografen Sebastian Lentner:

Der Fantasie sind beim Framing keine Grenzen gesetzt und wer sich unsicher ist, der findet kreative Beispiele im Internet oder Pinterest (unter anderem findet man dort auch diese „kreativen“ Bilder mit einem runden Spiegel).

Gutes Framing fällt die meiste Zeit eher dem geübten Auge auf, während der ungelernte Bildbetrachter es einfach sehr schön findet, ohne zu wissen warum. Das ist allerdings bei schlechten Framing nicht anders… Das stört unbewusst auch jemanden, der sich mit der Thematik überhaupt nicht auseinandergesetzt hat.

Hin- und hergerissen. Das Problem hier ist, dass das Gesicht genau zwischen zwei Rahmen steckt, einen oben & einen unten.

Nicht nur steht das Model zwischen zwei Rahmen, zudem verlaufen über dem Kopf zwei Holzbalken (und das Fortnite Graffiti macht das Foto eh untauglich).

Stattdessen:

Framing bedeutet, die Hinter- und Vordergrundelemente zu benutzen, um einen Rahmen um das Motiv zu zeichnen. Muss ja nicht immer nur einer sein!

Gliedmaßen gehören ins Bild

Klar: Hand bis Fuß alles vom Model ins Bild ist zwar keine allgemeine Regel ABER ich hab schon viele Schnappschüsse gehabt, wo eine Hand oder Fuß nicht im Bild einen großen Unterschied gemacht haben.

Leider sind die Hände nicht komplett im Bild.

Eine Möglichkeit, wenn man Hände oder Beine nicht im Bild hat, ist es das Bild so zuzuschneiden, dass der Fokus nicht auf das was fehlt, sondern auf das, was vorhanden ist gelenkt wird.

Fehlen zwar noch aber fällt weniger auf, weil wir nicht direkt die Handgelenke auf dem Bild haben.

Eine andere Möglichkeit dem zu entgehen ist, so banal es klingt, genug Fotos zur Auswahl zu haben. Sprich: Genug Bilder von derselben Szene in unterschiedlichen Posen und auf verschiedenen Höhen, Blickwinkeln aufzunehmen und dann auf eins auszuweichen, wo mit der Bildkomposition „alles stimmt„.

Fast derselbe Blickwinkel aber eine andere Bewegung.

„Negativen“ Platz im Bild vermeiden

Mit „negativen Platz“ meine ich Platz, der in der Bildkomposition nichts beiträgt und lediglich vom Motiv ablenkt. Ein typisches Beispiel dafür ist zu viel Himmel (im Bild rot markiert):

An sich echt ein manierliches Foto aber statt dem blauen Himmel wären ein wenig mehr Bein schon was Schönes gewesen: Von einem meiner ersten TfP Shootings mit Selina.

Häufig fehlt bei einer Bildkomposition mit zu viel leeren, negativen Bildbereich an anderer Stelle etwas und selbst wenn nicht, man es mit dem richtigen Bildausschnitt in der Postproduktion wieder etwas besser framen kann, verliert man am Ende doch Bildqualität. Deswegen, schon beim Fotografieren überlegen, was braucht es im Bild und was schneidet man später eh nur weg.

Aber Achtung: Negativer Bildbereich kann auch ein Stilmittel in der Bildkomposition sein.

Und auf all das achtest du?!

Hätte ich all diese Regeln der Bildkomposition durchgehend im Kopf,
würde ich schier wahnsinnig werden…

Kurze Antwort: NEIN?! Ich würde kaum zum Fotografieren kommen, wenn ich so viele Faktoren vor jedem abdrücken des Auslösers im Kopf rumschwieren hätte.
Außerdem würde ich glaube ich erheblich weniger Spaß bei der Arbeit haben.

Geschweige denn mich auf das Model einlassen oder flexibel reagieren können. Vielmehr hab ich es entweder im Gefühl oder schlicht genug Auswahl aus verschiedenen Perspektiven und Winkeln geschossen.

Aber: Ich hab mich irgendwann mal mit den einzelnen Aspekten der Bildkomposition auseinandergesetzt. Definitiv nicht mit allen auf einmal, sondern nach und nach. Außerdem hatte ich sie in der Lernphase häufig im Hinterkopf und zum Teil auch Liniendiagramme auf meinen Kamerabildschirm eingeschaltet, damit ich einen leichteren Überblick über die Bildaufteilung habe.

Wenn wir schon bei Kameratechnik sind, es kann durchaus helfen die Kamera auf Schwarz/Weiß zu stellen, damit man weniger von Farben abgelenkt ist und mehr auf Komposition achten kann. Nur bitte dran denken in RAW zu fotografieren, sonst bekommt ihr die Farben in dem gespeicherten JPEG-Format nie wieder zurück. Aber kommen wir damit doch gleich zum:

Der manuelle Modus

Bildkomposition ist nämlich schön und gut aber die Technik muss auch mitspielen. Ersteinmal grundsätzliches, wenn ein Bild aufgenommen wird entscheiden verschiedenste Faktoren, wie das Licht auf den Sensor und zur fertigen digitalen Aufnahme verarbeitet wird:

  • Die Blende: Sie bestimmt wie weit das Objektiv geöffnet wird und damit wie viel Licht auf den Sensor trifft.
  • Belichtungszeit: Name ist Programm, die Belichtungszeit bestimmt wie lang das Licht auf den Sensor trifft.
  • Und die ISO-Einstellung: Sie funktioniert als Bildaufheller, wenn die Kamera vermutet, dass ein Bild unterbelichtet ist und balanciert damit zwischen der Blende & Belichtungszeit ein gut ausgeleuchtetes Bild aus (hat allerdings den Nachteil, dass je mehr aufgehellt wird vom ISO-Wert, desto mehr Qualität im Bild flöten geht).

Im Automatikbetrieb übernimmt die Kamera Einstellungen für diese drei Komponenten völlig selbstständig. Je nachdem welches Motiv man fokussiert, bemüht sich der Autopilot dieses Motiv gut auszuleuchten und möglichst scharf einzufangen.
Zudem haben fast alle Kamerasysteme die Modis:

  • Programmautomatik: Alles auf auto aber der Fotograf hat Kontrolle über die Helligkeit/Dunkelheit des Bildes.
  • Blendenautomatik: Kontrolle über die Öffnung der Blende.
  • Und Zeitautomatik: Kontrolle darüber, wie lange ein Bild aufgenommen wird.

Jeder dieser Modis hat verschiedenen Anwendungsbereiche. Möchte man z.B. trotz sehr hellen Himmel eine Scheune unterhalb des Horizontes hell haben und der Automatikmodus fotografiert diese immer zu dunkel, dann schaltet man in die Programmautomatik. Möchte man eine Blume im Vordergrund scharf aber den Hintergrund unscharf haben hilft die Blendenautomatik und möchte man einen Sportler mitten in der Bewegung einfrieren oder Spuren von Autolichtern aufzeichnen, dann ist die Zeitautomatik gefragt. In der Praxis sieht das so aus (für Details bitte auf das Bild klicken):

Im manuellen Modus hingegen übernimmt man alles, wie der Name es verspricht, manuell. Das bringt natürlich:

Vor- & Nachteile

des manuellen Modus

– Zu Beginn ist man langsamer, da man alles selbst einstellen muss
– Versteht man die einzelnen Aspekte nicht, kann das Ergebnis ein schlechteres Bild sein, als in anderen Modi
– Langer Lernprozess

– Lenkt zu Beginn von der Bildkomposition ab

– Hat man einmal seinen Stil gefunden, geht es allerdings relativ fix
– Man entwickelt ein besseres Verständnis für die technischen Aspekte der Fotografie
– Man kann das meiste aus seiner Ausrüstung und Kamera herausholen

– Komplette Kontrolle über das Bild & Ergebnis

Für diejenigen, die sich noch nicht an den manuellen Modus herangetraut haben, hier ein paar Praxistipps von mir:

Die Wahl der Blende und Belichtungszeit

Also erstmal, bei schlechten Lichtverhältnissen ist eine weit offene Blende, wie etwa f1.8, immer eine einleuchtende Idee (höhö), da man dadurch kürzer belichten kann und ein geringeres Risiko eines unscharfen Bildes hat. Zudem braucht man keinen hohen ISO-Wert, der unschönes Bildrauschen mit sich bringt. Ein kleiner Blendenwert bringt allerdings den Nachteil mit sich, dass der Schärfebereich kleiner wird, je weiter sich die Blende öffnet, also die Blendenzahl niedriger wird.

Bei einer Blende von f22 zum Beispiel, ist ziemlich alles scharf, was sich im Bild befindet, bei einer Blende von f1.4 (sieht die Kamera übrigens genauso gut wie eine Eule bei Nacht, just saying) hingegen, muss man wahnsinnig genau mit dem Fokus liegen. Moderne Kameras haben zwar häufig einen zuverlässigen Autofokus, der sich automatisch genau auf das Auge fixiert, aber in der Praxis kann der Fokus dann mal knapp drüber auf den Wimpernhaaren liegen und bei einer Brille kann man diesen fast komplett vergessen, was natürlich sehr ärgerlich ist. Deswegen bei einer niedrigen Blende höchst penibel beim Fokussieren sein. Zeit für ein Fallbeispiel, denn ein Bild spricht mehr als 1000 Worte:

Technischer Balanceakt

Bild für einen Blogartikel zum Thema Bildkomposition, manueller Modus und das framing eines Fotos.
Canon RP, 85 mm Festbrennweite mit einer Blende von f1.8, 1/125 Sekunde, 1000 ISO.
Im Bild: Eva.

Das Foto wurde in einer Münchner U-Bahn aufgenommen. Dementsprechend waren die Lichtverhältnisse relativ schlecht, deswegen die Wahl einer Blende von f1.8. Selbst mit so einer weit geöffneten Blende ist der ISO-Wert bei 1000, was gerade noch verschmerzbar ist. Auch die Bildkomposition gefällt mir richtig gut ABER:

Wenn ihr genau hinschaut ist das Foto leider nicht knackscharf geworden, für den Grund können wir nur spekulieren, denn es ist nicht ganz sicher, ob bei einer Aufnahmezeit von 1/125 Sekunde nicht ein geringer Wackler beim Auslösen der Kamera entstanden oder der Fokus nicht exakt auf dem Auge gewesen ist. Ich tippe allerdings auf einen Wackler. Denn das Objektiv auf der Kamera war ein 85 mm Objektiv und Pi mal Daumen sagt man, die minimale Belichtungszeit ist die Brennweite (f-Wert) mal zwei von einer Sekunde:

85 mm x 2 = 170 ERGO das Foto wäre scharf gewesen bei einer Belichtungszeit von 1/170 Sekunde.

Bild für einen Blogartikel zum Thema Bildkomposition, manueller Modus und das framing eines Fotos.
Canon RP, 35 mm Festbrennweite mit einer Blende von f5, 1/100 Sekunde, 400 ISO.
Im Bild: Annie.

Dieses Foto ist in der Universität München entstanden. Das Licht fällt durch ein großes Fenster im Treppenhaus und ist dadurch sehr vorteilhaft.

In diesem Fall wollte ich das Model durchgehend scharf haben ohne dabei an Qualität einbüßen zu müssen. Das Annie komplett fokussiert ist, liegt an der relativ offenen Blende von f5. Da mein Objektiv in diesem Fall eine 35 mm Festbrennweite hat (35 x 2 = 70 ERGO eine 1/70 Sekunde Belichtungszeit könnte gut gehen), habe ich um ganz sicherzugehen eine Belichtungszeit von 1/100 Sekunde gewählt, damit auch ja nichts unscharf wird. Der dabei entstandene ISO-Wert von 400 schadet dem Bild nicht. Blende und Belichtungszeit schön und gut aber wie managen wir auch noch die ISO dazu?

Mein „Cheat“ mit der ISO

Ganz kurz auf dem Punkt gebracht, ich stelle seltenst die ISO ein. Stattdessen stelle ich die „exposure compensation“ (keine Ahnung wie das auf Deutsch genannt wird) ein. Im Bildschirm der Kamera sieht diese so aus:

Stellt man die ISO im manuellen Modus auf automatisch, richtet sie sich nach den Vorgaben, die man dort auswählt. Stellt man die Zahlen auf einen Minuswert, wird das Bild unterbelichtet und die Kamera verringert den ISO-Wert, stellt man die „exposure compensation“ in den plus Bereich regelt die Kamera den ISO-Wert hoch.

Im manuellen Modus stellte man damit nicht sonderlich viel anderes ein, als man es auch mit der ISO tun würde, denn alles andere macht man ja auch manuell.

Aber Daniel, könntest du denn dann nicht einfach die ISO einstellen?
Könnte ich natürlich ja aber mit ein wenig Übung, kann man irgendwann einschätzen, ob ein Bild von den Lichtverhältnissen her schwierig umzusetzen wird oder eben nicht.
Wird es schwieriger, weil wenig Licht vorhanden ist, stelle ich die „exposure compensation“ einfach auf einen niedrigeren Wert (wie etwa -1) und die Kamera stellt den ISO-Wert auf automatik durchgängig so ein, dass das Bild ein wenig unterbelichtet ist.

Dadurch kann ich mich komplett auf Blende und Belichtung konzentrieren und im Nachhinein in der Post-Produktion, wie beispielsweise in lightroom, die unterbelichteten Details aus den RAW-Datein der Bilder wieder zurückholen. Vorausgesetzt man fotografiert in RAW und nicht ausschließlich in JPEG! Mit JPEG bekommt man die Details nämlich nicht mehr wieder.

Man könnte noch soviel zu diesem Thema schreiben aber ich finde, dieser Post ist schon überproportional lang. Deswegen kommen wir lieber mal zu einem Schluss. Aber ich möchte unbedingt noch etwas loswerden.

Pfeif auf die Bildkomposition

Bild für einen Blogartikel zum Thema Bildkomposition, manueller Modus und das framing eines Fotos.
Nicht dass alles perfekt ist, sondern die Kamera genau im richtigen Moment abdrückt, zählt.
Im Bild: Laura.

Ich weiß, jetzt werden Sprüche geklopft aber trotzdem: Regeln sind zum Brechen da. Und das gilt besonders für die Regeln in diesem Post, besonders im Hinblick auf die Bildkomposition.
Natürlich ergibt es Sinn sie zu lernen, zu verinnerlichen und zu verstehen – aber bitte nicht darauf versteifen!

Ein Schwenker dazu aus meiner eigenen Erfahrung: Letztes Jahr ca. genau um diese Zeit war ich auf Aesthete.ka. Während des gesamten Workshops begleitete die Experience das Motto, sich wieder kreativ in der Fotografie zu befreien und Neues zu schöpfen. Der Workshop wird übrigens auch dieses Jahr wieder stattfinden… Wahrscheinlich… Ich weiß es nicht genau, blödes Corona.

Wie dem auch sei, ich konnte für mich feststellen, innerhalb der Woche, dass ich fotografisch zu einem Punkt gekommen bin, wo mir das strenge befolgen der Regeln den Spaß am Fotografieren ausgesaugt hat. Nach Ende des Workshops hab ich zum ersten Mal seit einer langen Zeit einfach wieder frei fotografiert, den Kopf ausgeschaltet, auf Bildkompositionen und technische Perfektion gepfiffen und einfach wieder richtig Spaß gehabt. Und das war wahnsinnig befreiend und schöpferisch.

Deswegen, Regeln hin oder her, mach deinen Stil, mach ihn spontan, kreativ und ungezwungen: Lerne die Regeln, lerne die Bildkomposition und das manuelle fotografieren. Verinnerliche sie damit du verstehst, warum Fotografie so aussieht, wie sie aussieht, nimm für dich mit was Sinn macht und dann zieh Deinen Stil trotzdem durch.

P.S. Wer noch mehr Wissen aufsaugen möchte: Ich habe auch vor kurzem einen Blogeintrag geschrieben, in den ich auf verschiedene Objektive eingehe, hier klicken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.