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Behind the Shoot: Fitness Model Michaela

Seitdem ich die Arbeiten von Brandon Woelfel vor ca. eineinhalb Jahren entdeckt habe, nehme ich mir vor endlich mal ein Shooting mit einem Tänzer zu haben. Jetzt ist Michaela zwar keine Tänzerin, muss sich aber posentechnisch und von der Beweglichkeit als Fitness Model überhaupt nicht verstecken.
Als Locations habe ich mir als Startpunkt die fünf Höfe und als Endpunkt die Donnersbergerbrücke vorgenommen. Vorteil bei dieser lockeren Planung ist, dass wenn dann mal auf dem Weg irgendeine tolle Location besonders schön belichtet ist, dann legt man einfach dort los. Apropos loslegen, gehen wir mal die verschiedenen Locations durch.

Locationrating

Gar nicht mal so gut: Die fünf Höfe

Ehrlich gesagt, die fünf Höfe waren vielleicht nicht gerade die beste Location zum Kennenlernen und für die ersten Portraits. Einfach deswegen, weil a) ständig Passanten im Hintergrund herumlaufen und b) es zum Eisbrechen mit dem Model zu hektisch ist.

Die fünf Höfe: Immerhin ein ziemlich schöner Bokeh um unser Fitness Model.

Außerdem ist die Location jetzt alles andere als ein Geheimtipp! Trotzdem gab es ein Treppenhaus, dass ich unbedingt mit Model besuchen wollte, weil es mir farblich bei einem Photowalk ins Auge gestochen und schon viel zu lange auf meiner To-Shoot Liste gewesen ist. Aber auch da das Problem: Viel zu viel Verkehr um in einen kreativen Flow zu kommen.

Einer der glücklichen Schnappschüsse: Da ich ohne zusätzliches Licht und mit ständigem Verkehr im Gebäude shooten musste, sind wir nicht lange geblieben.

Damit wars dann aber auch gut, zum einen haben sich Fitness Model und Fotograf noch gar nicht anständig kennengelernt und zum anderen ist es mir so nah am Stadtzentrum auch zu ungemütlich. Also raus da und ab gehts Richtung Pinakothek.

Locationrating: Fünf Höfe
Aufgrund des hohen Durchgangsverkehrs und Bekanntheitsgrades zwei Sterne Abzug. Positiv ist der schöne Bokeh und die farbenfrohen Durchgänge. Aber seien wir ehrlich, die fünf Höfe sind eine Touristen-Shopping-Sensation.

Warm werden am Karolinenplatz

Zu Fuß gehts weiter zum Karolinenplatz, unser erster Stopp ist der Obelisk vor dem Amerika Haus. Treppen und meterhohes Monument sind natürlich ein Eye-Catcher. Als wir weiter Richtung Hochschule für Film und Fernsehen laufen, fallen mir zwei quadratische Steine auf und ich frage Manuela, ob sie eine Posing-Idee für die Location hat: Daraufhin zeigt sie mir was ein Fitness Model so drauf hat!

Unfassbar, wenn ich die Fotos heute anschaue, bin ich immer noch begeistert von dieser enormen Körperspannung. Ich habe damals schlagartig verstanden, warum Fotografen so gerne mit Fitness Modellen oder Ballett Tänzern zusammenarbeitne: Bei den Möglichkeiten an posen, lässt sich so viel Ausgefallenes und Experimentelles, Neues umsetzen.

Locationrating: Karolinenplatz/Hochschule für Film und Fernsehen
Obwohl die Ecke bekannt ist, tummeln sich die meisten Fotografen ein paar hundert Meter weiter an der Pinakothek der moderne. Die Gebäude und Symmetrie an der Hochschule für Film und Fernsehen kann einige schöne und vor allem farbig nicht überladene Hintergründe liefern.
Besonderer Hingucker ist übrigens auch das Minna Thiel vor der Hochschule. Die direkte Nähe zu so vielen anderen Top-Locations macht den Karolinenplatz zu einer fast fünf Sterne Location. Warum nur fast? Weil es jetzt nicht gerade ein Geheimtipp ist.

Überraschungsfund am Finanzamt

Eigentlich wollten wir ja nur zur Donnersbergerbrücke laufen aber dann hat mich die schlichten Linien, die schönen Grünanlagen und Architektur um das Finanzamt dermaßen beeindruckt, dass ich spontan dort shooten musste. Wiedermal glänzt Manuela mit Ihrer Flexibilität als Fitness Model.

Abgesehen davon gab es auch ein paar Meter weiter eine meiner neuen Lieblingswiesen für moody-urbane Portraits hier in München. Ein bisschen verwildert, eine angerostete Garageneinfahrt, schöne, ausgewaschene Grüntöne und vor allem viel, viel Platz.

Eine Wiese genau nach meinem Geschmack!

Leider hat es keines der Bilder dort in die finale Auswahl geschafft aber das ist eher der überwältigen letzten Location, der Donnersbergerbrücke verschuldet.

Locationrating: Finanzamt
Zwar ist das und die Gegend um das Finanzamt nicht sonderlich riesig, trotzdem hat es einen echten Geheimtippflair. Ich hab noch keine Portraits auf Instagram an der Locations gesehen und als Hintergrund ist es wirklich vielseitig. Definitiv ein Spot an den ich noch einmal gehen würde.

Finale an der Donnersbergerbrücke

Fotografen und Modelle kennen diesen Effekt bestimmt, dass am Ende des Shootings, wenn man sich „warmgeschossen“ hat, die besten Bilder rauskommen. Genau das sieht man bei den Bildern unter der Donnersbergerbrücke. Manuelas posen und Ausdruck war schlicht sowas von on point, dass ich direkt noch einmal überwältigt gewesen bin. Das in Kombination mit einer der atmosphärischsten urbanen Locations in München war einfach der Knaller.

Ich habe mir vorgenommen direkt zum Sonnenuntergang dort anzukommen. Leider war es einer dieser eher bewölkten Abende aber vereinzelnd lächelte uns die Sonne dann doch noch für ein paar Schnappschüsse zu. Selbst wenn sie nicht dabei war, gab das weiche Licht beste Soft-Box Voraussetzungen: Genial!

Locationrating: Donnersbergerbrücke
Graffiti, die Nähe zur S-Bahnstation, tolle Sonneneinstrahlung und geniale Farben: Die Donnersbergerbrücke hat alles, was man sich als available light Fotograf wünschen kann. Ich denke die Bilder sprechen für sich, in diesem Shooting war diese Location das absolute Highlight.

Die Technik hinter dem Shooting

Die Objektive

Zum Einsatz kamen mein geliebtes Dreiergespann aus:

85mm f1.8

Die Portrait Bombe

Natürlich darf das klassische Portrait-Objektiv nicht fehlen:
85mm zaubert eine wahnsinns Tiefenunschärfe, ist aber scharf dort wo es sein soll.

In diesem Fall handelt es sich um Canon EF Objektiv, das schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Merkt man aber nicht. Ich habe es übrigens günstig gebraucht bekommen.

35mm f1.8

Allrounder Wunder

Mit einer Festbrennweite von 35mm bekommt man viel aufs Bild und muss dabei dank der maximalen Blende von f1.8 nicht einmal auf eine Tiefenunschärfe verzichten. Mein Lieblingsobjektiv im Moment.

Das f1.8, 35mm RF von Canon war in dem letzten Jahr auch meine teuerste Anschaffung im Bereich Objektive.
Teuer war es eigentlich nur wegen des RF Bajonett, gebraucht bekommt man vergleichbares bereits sehr günstig.

Wird die meiste Zeit nur mitgeschleppt, aber wenn es dann mal glänzt, dann richtig!

15-30mm f2.8

Kreatives Biest

Mein einziges Zoom-Objektiv und mit Abstand das schwierigste der Dreien ist das Tamron 15-30mm f2.8.
Ende letzten Jahres hab ich es zu einem wahnsinns Preis gebraucht bekommen.

Spannend an den Ultra-Weitwinkel Objektiv ist, dass es eigentlich gar nichts im Portraitbereich zu suchen hat. Wenn man sich allerdings dran gewöhnt, ergeben sich faszinierende Perspektiven und Möglichkeiten.

Ich habe meine ersten Erfahrungen mit einen Ultra-Weitwinkel-Objektiv in einen Blogeintrag zusammengefasst, ebenso, wie den ersten Einsatz des „kreativen Biests“ in der Portrait Fotografie.

Bearbeitung: Ausschließlich Lightroom

Wer meine Edits kennt dem ist mit Sicherheit schon aufgefallen, dass ich kaum retuschiere, weichzeichne oder Gesichtskanten nachträglich betone (Im Fachjargon Burn & Dodge genannt?). Daher reicht für mich in diesem Set eine Bearbeitung in Lightroom Classic völlig aus. Mithilfe der Farbkalibrierung kann ich die Hauttöne perfekt setzen, ohne dabei andere Farben zu verändern.

Da ich in RAW, anstatt in JPEG fotografiert habe, bekomme ich auch Bilder, die etwas zu dunkel geworden sind, problemlos heller. Schwarze Bereiche im Bild matte ich etwas ins Gräuliche ab (kein besonderer Grund dafür, nur mein persönlicher Geschmack).

Wer übrigens noch kein Lightroom besitzt, weil er noch nicht bereit ist Geld für die Fotobearbeitung auszugeben, den empfehle ich die kostenlose APP: Photoshop Express.
Es braucht lediglich einen kostenfreien Adobe-Account und die App hat bereits sehr viele abgespeckte Features, die man bei Lightroom oder Photoshop erwarten kann.

Ich hoffe, dieses Behind the Shoot war hilfreich für euch. Dieses Mal bin ich ja erheblich tiefer auf Locations und Technik eingegangen, lasst es mich gerne wissen, ob euch diese Variante besser gefallen hat.
Überhaupt, falls noch Fragen auf der Tastatur brennen, meldet euch gerne.

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